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Die frühe deutsche Umweltbewegung formierte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Getragen von Bildungsbürgern, die der fortschreitenden Wandlung des wilhelminischen Deutschlands in eine moderne Industriegesellschaft kritisch gegenüberstanden, hatte diese Bewegung ihren Ursprung in der Heimatbewegung, die die Natur und Landschaft der Heimat vor dieser Krise schützen wollte. Ernst Rudorff prägte den deutschen Heimatschutz als Oberbegriff für Naturschutz, Naturdenkmalpflege und Denkmalschutz. Er gründete 1904 den ‘Bund Heimatschutz’ als erste Dachorganisation der deutschen Heimatschützer. Die Heimatbewegung im wilhelminischen Reich hatte Vielseitigkeiten: Lokalität war ihr Ausgangspunkt, doch der deutsche Begriff ‘Heimat’ stand in untrennbarer Beziehung zur Nationalität. Einige Heimatschützer entwickelten sogar einen ‘transnationalen’ Gedanken im heutigen Sinne, obwohl solche Denkweise vor nationalen Herausforderungen nur eine untergeordnete Rolle spielte. Noch wichtiger ist die ideologische Orientierung der Heimatbewegung: in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie manchmal als Vorläufer der NS-Bewegung betrachtet. Die Natur- und Heimatschutzbewegung um 1900 hatte zwar den retrospektiven Charakter. Aber sie lehnte gar nicht die moderne Industriegesellschaft und ihre Folgen ab, vielmehr arbeitete sie energisch an institutionellen und legislativen Lösungsmöglichkeiten von Natur- und Umweltproblemen. In diesem Sinne ist es nicht zu leugnen, daß die ersten Naturschützer eine offene Sehnsucht nach einer “anderen Moderne” hatten.