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Als die zwei großen Paradigmenwechsel, die heutzutage kulturellen und künstlerischen Aktivitäten zugrunde liegen, sind der sogenannte ‘visualistic turn’ und der ‘spatial turn’ zu nennen. Während es beim ‘visualistic turn’ um die Auffassung der aufeinander verweisenden Bilder geht, - die Stichworte reichen hier von Gemälden, Images bis hin zu jeglicher Form der Illusionierung, des Scheins und des Nichtseienden - geht es beim ‘spatial turn’, der nicht selten auch als ‘topographical turn’ und ‘topological turn’ Erwähnung findet, einerseits darum auf Organisationsformen des Wissens und der Erfahrung jenseits dichotomischer Ordnung hinzuweisen, andererseits darum, statt des herkömmlichen physikalischen (euklidischen) Raumbegriffs, den man sich mit der Container-Metaphorik vorstellen kann, einen neuen Raumbegriff als den Horizont der komplexen Wahrnehmungserlebnisse zutage zu fördern. Aber onschon die entscheidenden Codes der gegenwärtigen Kulturdiskurse bereits bestehen, scheint es angeraten, den Verweisungszusammenhang zwischen den Bildern oder den komplexe Wahrnehmungserlebnisse umschlieβenden Bildraum als solchen zu behandeln. Denn der hierarchische und lineale Denkrahmen, in dem die Substanz oder die Wahrheit vom Schein oder Bild repräsentiert wird, herrscht immer noch vor. Daher ist es unumgänglich, ‘das auf dem Verweisungszusammen zwischen den Bildern gründende Operationssystem der reinen Sichtbarkeit’ und ‘das Oberflächenstruktur und -funktionssystem als die Netzwerkstruktur zwischen den psychischen Realitäten’ herauszuarbeiten. Um diese heikle Arbeit zu unternehmen, wird in dieser Studie eine theoretische Tendenz, die in der Geschichte der Ästhetik einmalig geblieben ist, aufgearbeitet, indem die Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie - ohne Anlehnung an irgendeine begriffliche Begründung - die Modalitäten der Bilder als solcher analysiert werden können. Es handelt sich dabei um einen Ansatz der formalen Ästhetik, die von Johann Friedrich Herbart angefangen und bei Robert Zimmermann als eine Art strenger Wissenschaft weitergeführt worden war und schließlich in die Idee des ‘Nullmediums’ bei Hans Magnus Enzensberger eine Weiterführung fand. Die formale Ästhetik kann in diesem Sinn als ein missing link gesehen werden, der zwischen dem Ausgang der idealistischen Ästhetik und dem Eingang in die gegenwärtige Bildästhetik steht. Sie versetzt uns in die Lage, den verschiedenen ästhetischen Theorieansätzen ein Kontur zuzuweisen und damit eine neue Ästhetik zu konzipieren.