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In der vorliegenden Arbeit wird die Sprache und Literatur der Hanse untersucht, die eine mittelalterliche Organisation der niederdeutschen Kaufleute und ihrer Städte war. Die Hanse hat bei der Entstehung und Ausdehnung der kulturellen Einheit Nordeuropas vom 13. bis zum 17. Jahrhundert eine große Rolle gespielt. Als zu Beginn des 13. Jahrhunderts die niederdeutschen Kaufleute den Fernhandel begannen und sich die norddeutschen Städte dabei zunehmend zu arbeitsteilig organisierten, komplexen Gemeinwesen entwickelten, standen als Mittel der schriftlichen Organisation zuvorderst das Lateinische und das Mittelhochdeutsche zur Verfügung. Dass diesen beiden Schriftsprachen im Mittelniederdeutschen ein Konkurrent erwuchs, der sich in den künftigen Jahrhunderten mehr und mehr durchsetzte, hat vor allem zwei Ursachen: Träger der neuen wirtschaftlichen Entwicklung war eine bürgerliche Schicht, die im Vergleich zu Adel und Geistlichkeit, die bisher die Schriftkultur bestimmten, relativ wenig Zugang zum Lateinischen und Mittelhochdeutschen hatte, vielmehr in starkem Maße an die heimische niederdeutsche Sprechsprache gebunden war. Hinzu kam, dass diese bürgerliche Schicht einen entscheidenden Anteil an der Erschließung des für den hansischen Handel so wichtigen südlichen Ostseeraums hatte. Diese Ausgangssituation (wachsende Bevölkerung, Dominanz des Bürgertums, Ausdehnung des niederdeutschen Sprachgebiets) provozierte einen Ausbau des Mittelniederdeutschen von einer Gruppe kleinräumig gesprochener Mundarten zu einem Medium, das den vielfältigen sprachbezogenen Aufgaben der hansisch bestimmten Gesellschaft angepasst war. Die Merkmale der mittelniederdeutschen Literatur erweisen sich als Konsequenz der spezifisch hansischen Gesellschaft. Das gilt vor allem für die dringende Notwendigkeit, mittels geschriebener Sprache zu organisieren. Diese Art der mittelniederdeutschen Literatur verweist insbesondere auf gesellschaftliche Aufgaben, mittels Sprache zu definieren, zu dokumentieren, zu regeln und sich zu verpflichten. Genauer gefasst, lässt sich diese Art der Literatur noch weiter unterteilen. Zum einen handelt es sich um Texte für primär institutionsinterne Zwecke, d.h. Arbeitsabläufe werden struktuiert, Zuständigkeiten festgelegt, fachliches Handlungswissen vermittelt. Eine zweite Teilmenge solcher Literatur umfasst institutionsübergreifende Texte, die sich mehr auf die Koordination zwischen mehreren Institutionen, auf die Kontakte einer Institution mit Einzelnen oder mit einer breiteren Öffentlichkeit beziehen. Ihre Aufgaben entsprechen teilweise denen der ersten Kategorie, hinzu kommen aber in weit größerem Anteil Texte zur Information und zur wechselseitigen Verpflichtung. Neben diesen zwei Arten von Organisationsliteratur besteht eine dritte Kategorie der mittelniederdeutschen Literatur. Es handelt sich um primär nicht institutionsgebundene Texte, die sich an die Öffentlichkeit wenden, um sie politisch, konfessionell oder ethisch zu beeinflussen, sie zu unterrichten oder sie auch nur zu unterhalten. Die vierte Kategorie innerhalb der mittelniederdeutschen Literatur umfasste Texte, die privaten Inhalt haben und die auch für den privaten Gebrauch bestimmt sind. Sie dienen vor allem der Herstellung, Regelung und Vertiefung persönlicher Kontakte.