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Die vorliegende Studie geht den womöglich von dem Autor sorgfältig verwischten Spuren der antiken Mythologie in Kafkas Der Bau nach. Wie Minotauros ist das Tier in der Späterzählung Kafkas eine Art Mischwesen, wobei seine menschliche Seite nicht gerade in seinem Äußeren, sondern in seinen unaufhörlichen Denkvorgängen, ständigen Überlegungen und Reflexionen zu finden ist. Kafkas Minotauros ist eher ein kleines, harmloses, äußerst furchsames Wesen als ein bedrohliches, erschreckendes Ungeheuer. Auf der anderen Seite beweist sich das Tier als ein hervorragender Architekt wie Daidalos, der im Auftrag von dem kretischen König Minos das Labyrinth gebaut hat, das das ungeheurliche, skandalöse Zwitterwesen Minotauros unentrinnbar gefangenhalten soll. Nur: Kafkas Daidalos hat für sich ein Gefängnis errichtet, das weder vor den Eindringlingen vom Außen noch vor den Feinden vom Innen sicher ist. Wie hinlänglich bekannt, überwindet Theseus, der grötßte Held der griechischen Mythologie, mit Hilfe von Ariadne die verschlungenen Gänge von Labyrinthos und erledigt Minotauros. In Kafkas Text erscheint im kunstvoll errichteten unterirdischen Gefängnis des alten Baumeisters kein Theseus. Oder aber: The42seus kommt von überall her - als ein unsichtbares, unbekanntes Wesen, nur hörbar und imaginierbar. Somit erweist sich das Mensch-Tier in Kafkas labyrinthischem Text als Minotauros-Daidalos-Theseus in einem. Vor der Forlie der kretischen Mythologie um Labyrinthos betrachtet, wirkt alles, was das bauende, umbauende und ‘kaputtbauende’ Tier in Kafkas Der Bau tut, überlegt oder reflektiert, ungemein lustig/komisch. Auch auf diesen Text bezogen sollte die Komik bei Kafka allerdings viel differenzierter benannt und analysiert werden als dies bisher geschehen ist.