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Die DDR als Staat und politisches System ist ein Kapitel der Geschichte geworden, trotzdem spielt die DDR als literarisches Thema noch eine wichtige Rolle in der deutschen Literatur. Monika Marons Roman Stille Zeile sechs(1991) setzt sich kritisch mit dem diktatorischen System der DDR in den 1980er Jahren auseinander. Der vorliegende Aufsatz untersucht den Text als einen Versuch der Vergangenheitsbewältigung der DDR-Zeit. Der Roman beginnt mit der Beerdigung des ehemals hohen Parteifunktionärs,Herbert Beerenbaum. Dieser hatte vor, seine Memoiren zu verfassen und die Ich-Erzählerin Rosalind Polkowski wurde für ihn als Schreibkraft tätig,da seine rechte Hand gelähmt war. Beerenbaum ist ein Vertreter der Gründerväter-Generation, die einmal als Antifaschisten gegen die Nazis gekämpft, aber später die Diktatur in der DDR aufgebaut hatten. Seine Generation rechtfertigte ihre Tat aufgrund ihres Opferstatus gegenüber den Nazis. Rosalind will nichts tun, um nicht schuldig zu werden. Sie glaubt, dass man sich noch viel schuldiger macht, wenn man sich aktiv beteiligt. Aber im Laufe des Schreibprozesses gerät sie zunehmend in einen Konflikt, da der von Beerenbaum diktierte Inhalt nichts als die Rechtfertigung und Verschleierung seiner Schuld darstellt. Sie fühlte sich als Mittäterin, da sie nichts gegen ihn unternimmt. Schließlich entscheidet sie sich, Handelnde und Schuldige zu sein, statt Opfer und Siegerin. Sie erhebt Anklage gegen Beerenbaum und der kranke Alte erleidet einen Herzanfall, an dem er einige Tage später stirbt. Die erste Generation der DDR, zu der Beerenbaum gehört, zwang allen Nachgeworenen ihre Erinnerung als verbindliche Geschichte der DDR auf. In diesem Sinne ist dieser Roman auch ein Versuch, diese verfälschte Geschichte zu entlarven. Heute, wo die Beerenbaums tot sind, obliegt die Aufgabe, die Geschichte der DDR neu zu schreiben, der dritten Generation, für die Rosalind steht. Diese Generation braucht diese Selbstreflexion, um eine Perspektive für die Zukunft zu gewinnen.